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Faszination Insekten: Nützlinge im Garten erkennen

Entdecken Sie die wichtigsten Nützlinge im Garten und schaffen Sie mit einfachen Maßnahmen einen lebendigen Lebensraum für Bestäuber und Schädlingsjäger.
Von der Westfalia Redaktion · Aktualisiert am 15.09.2026
Erstellt und geprüft von der Westfalia Redaktion.

Kurz erklärt: Insekten im Garten erkennen Sie an Körperform, Verhalten, Aufenthaltsort und ihrer Rolle im Ökosystem. Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen, Wildbienen und Laufkäfer zählen zu den wichtigsten Nützlingen. Sie bestäuben Blüten oder bremsen Blattläuse, Raupen und Schnecken. Beobachten Sie zuerst, bevor Sie ein Tier entfernen oder ein Pflanzenschutzmittel einsetzen.

Kurzantwort: Insekten im Garten erkennen Sie an Körperform, Verhalten, Aufenthaltsort und ihrer Rolle im Ökosystem. Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen, Wildbienen und Laufkäfer zählen zu den wichtigsten Nützlingen. Sie bestäuben Blüten oder bremsen Blattläuse, Raupen und Schnecken. Beobachten Sie zuerst, bevor Sie ein Tier entfernen oder ein Pflanzenschutzmittel einsetzen.

Ein Garten lebt nicht nur von Blumen, Gemüse und Ziersträuchern. Zwischen Blättern, Blüten und Bodendeckern arbeiten unzählige kleine Helfer. Einige bestäuben Pflanzen, andere fressen Blattläuse, Raupen oder Schneckeneier. Viele bleiben unbemerkt, weil sie nur wenige Millimeter groß sind oder nachts aktiv werden.

Wer Nützlinge erkennen kann, greift gezielter ein. Sie lassen eine einzelne Blattlauskolonie zunächst als Nahrungsangebot stehen, schützen eine Wildbiene vor unnötigen Störungen und planen Beete so, dass Insekten vom Frühjahr bis in den Herbst Nahrung finden. Dieser Blick verändert die Gartenpflege: Nicht jedes angeknabberte Blatt verlangt nach einem Mittel.

Wie erkennen Sie Nützlinge im Garten?

Ein Nützling ist keine feste biologische Kategorie. Die Bezeichnung beschreibt eine positive Wirkung aus Sicht des Menschen, etwa Bestäubung oder natürliche Schädlingskontrolle. Dieselbe Art kann unter bestimmten Bedingungen auch Pflanzen anknabbern. Ohrwürmer fressen beispielsweise Blattläuse, nehmen bei knappem Nahrungsangebot aber auch weiches Obst oder Blütenblätter an.

Beginnen Sie deshalb nicht mit der Frage, ob ein Tier gut oder schlecht ist. Fragen Sie zuerst: Was sehe ich genau? Körperform, Flügel, Fühler, Beine, Farbe, Größe und Verhalten liefern bessere Hinweise als ein einzelnes Merkmal.

Welche Merkmale helfen bei der Bestimmung?

Beobachten Sie das Insekt aus etwas Abstand. Eine Lupe oder ein scharfes Foto zeigt Details, die mit bloßem Auge fehlen. Besonders aussagekräftig sind diese Beobachtungen:

  • Körperform: Ein Marienkäfer ist rundlich und gewölbt, eine Marienkäferlarve dagegen länglich und deutlich segmentiert.
  • Flügel: Schwebfliegen besitzen nur ein Flügelpaar und schweben häufig über Blüten. Käfer tragen harte Flügeldecken, die sich in der Mitte teilen.
  • Bewegung: Florfliegen flattern langsam, Laufkäfer rennen meist am Boden, und Schwebfliegen stehen scheinbar in der Luft.
  • Aufenthaltsort: Blattlausjäger sitzen oft direkt an jungen Trieben oder auf der Blattunterseite. Wildbienen suchen Blüten oder geeignete Niststellen.
  • Spuren: Leere Blattlaushäute, winzige Fraßlöcher oder ein Gespinst können zeigen, welche Tiere im Beet aktiv sind.

Die Farbe allein führt oft in die Irre. Eine schwarz-gelbe Schwebfliege kann wie eine Wespe aussehen, besitzt aber keinen Stachel. Viele Marienkäferarten sind gelb, orange, schwarz oder braun. Auch die Zeichnung verändert sich bei manchen Arten im Laufe des Lebens.

„Insekten sind für das Funktionieren unserer Ökosysteme unverzichtbar.“

NABU, Themenseite „Insekten“

Warum die Lebensphase zählt

Viele Nützlinge sehen als Larve völlig anders aus als als erwachsenes Tier. Die Larve des Siebenpunkt-Marienkäfers erinnert nicht an einen Käfer. Sie ist dunkel, länglich und trägt orangefarbene Flecken. Auf einem Blatt kann sie leicht für einen Schädling gehalten werden, obwohl sie große Mengen Blattläuse frisst.

Auch Florfliegen durchlaufen eine auffällige Jugendphase. Die erwachsenen Tiere sind zart grün, haben durchsichtige Flügel und goldfarbene Augen. Ihre Larven tragen sichelförmige Mundwerkzeuge und suchen aktiv nach Blattläusen. Lassen Sie diese Tiere am Blatt, wenn die Pflanze den Befall noch verkraftet.

Bei Schmetterlingen lohnt ein genauer Blick auf die Pflanze. Raupen gehören zur Entwicklung des Schmetterlings, können aber an Kohl, Obstgehölzen oder Zierpflanzen deutliche Schäden verursachen. Beurteilen Sie Art und Befallsstärke, statt jede Raupe pauschal zu entfernen.

Welche Nützlinge finden Sie häufig im Garten?

Insekten im Garten übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Manche räumen organisches Material ab, manche jagen andere Tiere, und manche sichern die Bestäubung. Die folgenden Arten begegnen Ihnen besonders häufig an Gemüsebeeten, Obstgehölzen, Hecken und Blühflächen.

Welche Insekten helfen gegen Blattläuse?

Blattläuse sitzen bevorzugt an jungen Trieben, Knospen und Blattunterseiten. Dort finden Sie auch ihre Gegenspieler. Suchen Sie nicht nur nach ausgewachsenen Tieren, sondern auch nach Larven, Eiern und leeren Häuten.

  • Marienkäfer: Erwachsene Tiere und Larven fressen Blattläuse. Die Larven sind meist dunkel mit orangefarbenen oder gelben Zeichnungen.
  • Florfliegen: Vor allem die Larven jagen Blattläuse, Spinnmilben und kleine Raupen. Ihre Eier hängen oft an feinen Stielen über dem Blatt.
  • Schwebfliegen: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten. Ihre oft unscheinbaren Larven leben auf Pflanzen und vertilgen Blattläuse.
  • Raubwanzen: Einige Arten saugen Blattläuse, Thripse und andere kleine Insekten aus. Sie wirken häufig länglich und bewegen sich schnell.

Ein blattlausfreier Garten ist kein realistisches Ziel und auch kein notwendiges. Eine kleine Kolonie kann ausreichen, damit sich Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegen ansiedeln. Kontrollieren Sie die Triebspitzen regelmäßig und greifen Sie erst ein, wenn eine Pflanze sichtbar leidet oder sich der Befall rasch ausbreitet.

Welche Nützlinge bestäuben Blüten?

Wildbienen, Hummeln, Honigbienen, Schwebfliegen und verschiedene Käfer transportieren Pollen. Wildbienen leben überwiegend einzeln und nutzen sehr unterschiedliche Nistplätze. Einige graben Röhren in sandige Erde, andere beziehen Hohlräume in Pflanzenstängeln oder morschem Holz.

  • Wildbienen: Viele Arten sind klein, behaart und an sonnigen, windgeschützten Blüten aktiv. Sie stechen in der Regel nicht, solange Sie sie nicht bedrängen.
  • Hummeln: Ihr kräftiger Körper und die dichte Behaarung halten sie auch bei kühlerem Wetter aktiv. Sie besuchen zahlreiche Blüten in kurzer Zeit.
  • Schwebfliegen: Die gelb-schwarze Zeichnung täuscht oft eine Wespe vor. Das Tier schwebt, besitzt keinen Stachel und landet gern auf offenen Blüten.
  • Blütenkäfer: Rosenkäfer und andere Käferarten fressen Pollen oder Nektar und tragen dabei Blütenstaub weiter.

Auch Spinnen leisten wertvolle Schädlingskontrolle, sind aber keine Insekten. Diese Unterscheidung hilft bei der Bestimmung: Insekten besitzen sechs Beine, Spinnen acht. Beide Gruppen gehören in einen naturnahen Garten.

Profi-Tipp

Fotografieren Sie ein unbekanntes Tier zuerst auf der Pflanze, auf der Sie es gefunden haben. Blüte, Blatt und Standort liefern zusätzliche Hinweise. Ein Foto von oben und eines von der Seite sind für die Bestimmung meist hilfreicher als eine Nahaufnahme nur vom Kopf.

Welche Bodenbewohner sind nützlich?

Laufkäfer verstecken sich tagsüber unter Steinen, Brettern, Laub oder dichtem Bewuchs. Nachts gehen viele Arten auf Jagd. Sie fressen unter anderem Raupen, Insektenlarven und teilweise Schneckeneier. Ein dunkler, schnell laufender Käfer am Boden ist deshalb meist ein Grund zum Beobachten, nicht zum Entfernen.

Kurzflügler erkennen Sie an den verkürzten Flügeldecken, unter denen der Hinterleib sichtbar bleibt. Sie jagen kleine Bodentiere und besiedeln feuchte Bereiche mit Laub oder Kompost. Ohrwürmer helfen ebenfalls bei der Blattlausjagd, werden aber wegen ihrer Vorliebe für weiches Obst nicht in jedem Beet willkommen geheißen.

Wie unterscheiden Sie Nützlinge von Schädlingen?

Eine sichere Einordnung braucht mehr als ein Farbfoto. Form, Lebensphase und Verhalten müssen zusammenpassen. Gelb-schwarz bedeutet nicht automatisch Wespe, und grün bedeutet nicht automatisch harmlos. Prüfen Sie außerdem, ob das Tier tatsächlich Pflanzengewebe frisst oder nur auf der Pflanze sitzt.

Die folgende Übersicht hilft bei einer ersten Einschätzung:

BeobachtungWahrscheinliche EinordnungIhre Reaktion
Längliche dunkle Larve mit orangefarbenen FleckenMarienkäferlarveAuf der Pflanze lassen
Zart grünes Tier mit durchsichtigen FlügelnErwachsene FlorfliegeBlüten und Verstecke anbieten
Gelb-schwarzes Tier, das an einer Blüte schwebtWahrscheinlich SchwebfliegeNicht wegfangen
Käfer läuft nachts unter Laub oder SteinenHäufig LaufkäferBodenbedeckung erhalten
Kleine Tiere sitzen dicht an einem jungen TriebMöglicherweise BlattläuseBefallsstärke und Gegenspieler prüfen
Unregelmäßige Fraßlöcher an BlätternMehrere Ursachen möglichUnterseite und Umgebung kontrollieren

Warum nicht die Farbe entscheidet

Viele harmlose Schwebfliegen imitieren mit ihrer Zeichnung wehrhafte Wespen. Sie können die Tiere an der Bewegung und an den Flügeln unterscheiden. Eine Schwebfliege hält sich häufig rüttelnd in der Luft auf und besitzt nur ein Flügelpaar. Eine Wespe fliegt zielgerichteter und trägt die typischen längeren Fühler.

Bei Käfern ist die Larve oft der entscheidende Hinweis. Die Larve des Marienkäfers hat keine harten Flügeldecken und wirkt stachelig oder warzig. Die Larve des Kartoffelkäfers sitzt dagegen häufig in Gruppen an Kartoffel- oder Nachtschattengewächsen und verursacht typische Fraßschäden. Prüfen Sie deshalb immer die Wirtspflanze.

Wichtiger Hinweis

Auch biologische Pflanzenschutzmittel wirken nicht automatisch nur gegen Schädlinge. Wenden Sie

ausschließlich entsprechend der aktuellen Produktkennzeichnung an, niemals auf offenen Blüten oder während viele Bestäuber fliegen. Prüfen Sie vorher, ob ein Eingriff überhaupt nötig ist, und behandeln Sie möglichst gezielt einzelne Pflanzen.

Wie bewerten Sie einen möglichen Schaden?

Bevor Sie handeln, beantworten Sie drei Fragen:

  1. Wie groß ist der Befall? Einzelne Blattläuse oder angeknabberte Blätter toleriert eine kräftige Pflanze meist problemlos.
  2. Welche Pflanze ist betroffen? Junge Gemüsepflanzen reagieren empfindlicher als etablierte Sträucher. Bei empfindlichen Kulturen lohnt eine engere Kontrolle.
  3. Welche Gegenspieler sind vorhanden? Finden Sie Marienkäferlarven, Schwebfliegenlarven oder Florfliegeneier, kann sich das Problem von selbst abschwächen.

Gegen Schnecken hilft eine mechanische Barriere oft besser als ein breit wirkendes Mittel. Ein 10er-Set Schneckenzaun

kann empfindliche Beete abgrenzen und lässt Ihnen mehr Raum, die Insektenfauna zu schonen. Der Zaun richtet sich gegen Schnecken, nicht gegen Nützlinge.

Wie gestalten Sie einen insektenfreundlichen Garten?

Ein insektenfreundlicher Garten braucht keine große Fläche. Entscheidend sind verschiedene Strukturen, Blüten zu unterschiedlichen Jahreszeiten und Bereiche, die nicht ständig aufgeräumt werden. Ein sauber geschnittenes Beet mit kurz gemähtem Rasen bietet deutlich weniger Nahrung und Schutz als ein Garten mit gestaffelten Höhen und kleinen Rückzugsorten.

Welche Pflanzen liefern vom Frühjahr bis zum Herbst Nahrung?

Planen Sie die Blütezeit wie einen Kalender. Früh blühende Zwiebelpflanzen, Weiden und heimische Sträucher geben den ersten Wildbienen Energie. Im Sommer folgen Kräuter, Stauden und einjährige Blüten. Efeu, Fetthenne und Herbstastern schließen die Lücke im Spätsommer und Herbst.

  • Frühjahr: Krokus, Weide, Lungenkraut und Schlehe liefern Nektar und Pollen, wenn wenige andere Blüten geöffnet sind.
  • Sommer: Thymian, Dost, Flockenblume, Schafgarbe und ungefüllte Rosen locken Bestäuber und Schwebfliegen an.
  • Spätsommer: Wilde Möhre, Sonnenhut, Fenchel und verschiedene Kräuter verlängern das Angebot.
  • Herbst: Efeu, Fetthenne und späte Astern versorgen Insekten vor der Winterruhe.

Setzen Sie auf ungefüllte Blüten. Bei stark gefüllten Sorten liegen die Staubblätter oft unter zusätzlichen Blütenblättern verborgen. Insekten finden dann weniger Pollen und Nektar. Eine winterharte Bienen- und Schmetterlingsmischung wie

kann eine sonnige Fläche ergänzen, wenn der Standort zu den Ansprüchen der Mischung passt.

Verteilen Sie die Pflanzen nicht ausschließlich in einem einzelnen Beet. Blühende Kräuter am Weg, ein Strauch an der Terrasse und eine kleine Wildblumenfläche verbinden Lebensräume. Passendes Garten- und Pflanzenzubehör erleichtert die Vorbereitung, Aussaat und Pflege.

Welche Nistplätze und Verstecke brauchen Insekten?

Viele Wildbienen graben ihre Nester in den Boden. Lassen Sie deshalb sonnige, wenig bewachsene Bodenstellen stehen und bedecken Sie sie nicht vollständig mit Rindenmulch. Andere Arten nutzen markhaltige oder hohle Pflanzenstängel, morsches Holz, lose Steine und trockene Laubhaufen.

Ein Insektenhotel unterstützt nur bestimmte Arten. Gute Modelle besitzen sauber gebohrte, ausgefranste Röhren mit unterschiedlichen Durchmessern und einem trockenen, geschützten Standort. Die Öffnungen zeigen idealerweise nach Süden oder Südosten, bleiben frei von Regen und werden nicht von dichtem Laub verdeckt. Informieren Sie sich bei der Auswahl in der Kategorie Insektenhotels.

  • Lassen Sie im Herbst einige trockene Stängel bis zum Frühjahr stehen.
  • Stapeln Sie ein kleines Stück unbehandeltes Totholz an einem ruhigen, sonnigen Platz.
  • Belassen Sie Laub unter Hecken und Sträuchern als Winterquartier für Bodenbewohner.
  • Halten Sie einzelne Sand- oder Lehmflächen offen für erdnistende Wildbienen.

Wie reduzieren Sie Störungen und unnötige Mittel?

Verzichten Sie auf nächtliche Dauerbeleuchtung. Künstliches Licht stört nachtaktive Falter, Käfer und andere Insekten bei Nahrungssuche und Fortpflanzung. Schalten Sie Außenleuchten ab, sobald Sie sie nicht brauchen, oder verwenden Sie warmes, nach unten gerichtetes Licht mit Bewegungsmelder.

Mähen Sie eine Wiese nicht komplett an einem Tag. Teilen Sie die Fläche und schneiden Sie Abschnitte zeitversetzt. So bleiben immer Blüten, Deckung und Fluchtmöglichkeiten erhalten. Für schonende Pflege finden Sie passende Gartenwerkzeuge; eine scharfe Wunderschere

eignet sich zum gezielten Rückschnitt von Stängeln und Zweigen.

Bewässern Sie morgens oder am Boden, statt Blüten und Blätter dauerhaft zu beregnen. Eine flache Schale mit Steinen bietet Insekten eine sichere Trinkstelle. Die Steine müssen aus dem Wasser ragen, damit kleine Tiere nicht ertrinken. Mit geeigneter Gartenausstattung lassen sich solche kleinen Strukturen dauerhaft in den Garten integrieren.

Zusätzlicher Rat

Räumen Sie im Herbst nicht alles auf einmal ab. Lassen Sie Laub unter Sträuchern liegen, schneiden Sie hohle Pflanzenstängel erst im Frühjahr und belassen Sie einen Teil abgestorbener Stauden. Prüfen Sie nur, ob kranke Pflanzenteile entfernt werden müssen. Ordnung und Naturschutz lassen sich auf derselben Fläche verbinden.

„Die meisten Wildbienenarten leben solitär und bilden keine Staaten.“

Bundesamt für Naturschutz, Themenseite „Wildbienen“

Wie beobachten und bestimmen Sie Insekten sicher?

Gute Bestimmung beginnt mit Ruhe. Greifen Sie nicht nach dem Tier und schütteln Sie die Pflanze nicht. Viele Insekten zeigen ihr typisches Verhalten nur wenige Sekunden. Ein kurzer Moment an der Blüte sagt oft mehr als ein gefangenes Tier in einem Glas.

Welche Schritte führen zu einer sicheren Bestimmung?

  1. Beobachten Sie zuerst, ob das Tier fliegt, springt, krabbelt, saugt oder Blütenstaub sammelt.
  2. Standort notieren: Schreiben Sie auf, ob Sie das Insekt auf einer Blüte, unter einem Blatt, im Kompost oder auf dem Boden gefunden haben.
  3. Merkmale fotografieren: Nehmen Sie ein Foto von oben, eines von der Seite und eines der Pflanze auf.
  4. Größe vergleichen: Nutzen Sie eine Münze oder ein Lineal neben dem Tier, ohne es zu berühren. Größenangaben trennen ähnliche Arten oft besser als Farben.
  5. Lebensphase beachten: Prüfen Sie, ob Sie ein Ei, eine Larve, eine Puppe oder ein erwachsenes Insekt sehen.
  6. Mehrfach beobachten: Kehren Sie nach einigen Stunden oder am nächsten Tag zurück. Verhalten und Anzahl ergeben zusammen ein zuverlässigeres Bild.

Notieren Sie bei Wildbienen zusätzlich die Blütenform und die Sammelweise. Trägt das Tier Pollen an den Hinterbeinen, am Bauch oder gar nicht sichtbar? Bei Schwebfliegen helfen Flugweise, Körperform und Flügelzahl. Bei Käfern sind Fühler, Flügeldecken und der Lebensraum wichtige Merkmale.

Wann lohnt sich ein Eingriff?

Handeln Sie, wenn eine Pflanze deutlich geschwächt wird, ein Befall schnell zunimmt oder eine Kultur in einer empfindlichen Entwicklungsphase steht. Entfernen Sie dann zunächst einzelne stark besetzte Triebe, spülen Sie Blattläuse mit einem kräftigen Wasserstrahl ab oder setzen Sie eine physische Barriere ein. Diese Maßnahmen schonen Tiere, die nicht beteiligt sind.

Ein Nest oder ein einzelnes unbekanntes Insekt ist kein ausreichender Grund für eine Bekämpfung. Bei einem Nest in unmittelbarer Nähe von Türen, Sitzplätzen oder Spielbereichen gilt besondere Vorsicht. Halten Sie Abstand und lassen Sie die Situation bei Bedarf fachkundig beurteilen, statt selbst in das Nest einzugreifen.

  • Beobachten: Einzeltiere und kleine Gruppen zunächst ungestört lassen.
  • Mechanisch handeln: Befallene Triebe entfernen oder Pflanzen mit einem Netz schützen.
  • Gezielt behandeln: Nur zugelassene Mittel verwenden und Blüten, Gewässer sowie aktive Bestäuber schützen.
  • Nachkontrollieren: Nach einigen Tagen prüfen, ob der Schaden stoppt und Nützlinge zurückkehren.

Wie hilft ein kleines Garten-Tagebuch?

Reservieren Sie einmal pro Woche zehn Minuten für eine feste Beobachtungsrunde. Notieren Sie drei Blütenpflanzen, drei gesichtete Insekten und auffällige Fraßspuren. Nach einigen Wochen erkennen Sie, welche Pflanzen besonders viele Bestäuber anziehen, wann Blattläuse auftreten und welche Nützlinge darauf reagieren.

So entsteht ein persönlicher Kalender für Ihren Garten. Sie wissen im nächsten Jahr, wann die erste Wildbiene erscheint, welche Staude im Herbst noch blüht und in welchem Beet ein Rückzugsort fehlt. Dieses Wissen macht die Pflege präziser und sorgt dafür, dass Insekten im Garten nicht nur kurzfristig auftauchen.

Fazit: Nützlinge erkennen Sie durch Beobachtung, nicht durch schnelle Zuordnung nach Farbe oder Bauchgefühl. Schaffen Sie Blüten, offene Bodenstellen, Laub, Totholz und dunkle Rückzugsorte. Verzichten Sie auf unnötige Eingriffe. Dann arbeitet Ihr Garten zunehmend mit natürlichen Kreisläufen.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich eine Marienkäferlarve?
Eine Marienkäferlarve ist länglich, dunkel und trägt orange oder gelbe Flecken beziehungsweise Streifen. Sie wirkt nicht wie der runde erwachsene Käfer und bewegt sich aktiv auf Blättern. Entfernen Sie sie nicht: Die Larve frisst zahlreiche Blattläuse und gehört zu den wirksamsten natürlichen Helfern im Garten.
Welche Insekten bestäuben Gartenpflanzen?
Wildbienen, Honigbienen, Hummeln, Schwebfliegen und viele Käfer übertragen Blütenstaub. Wildbienen arbeiten oft schon bei kühlem Wetter, Hummeln fliegen bei niedrigen Temperaturen, und Schwebfliegen besuchen offene Blüten. Pflanzen Sie verschiedene ungefüllte Blüten und verzichten Sie auf Spritzmittel während der Blütezeit im Garten.
Wie locke ich Nützlinge in meinen Garten?
Schaffen Sie ganzjährig Nahrung, Wasser und Verstecke. Kombinieren Sie heimische, ungefüllte Blüten mit einer wilden Ecke, offenen Bodenstellen, Laub und abgestorbenen Pflanzenstängeln. Verzichten Sie auf chemische Breitbandmittel, mähen Sie Teilflächen zeitversetzt und lassen Sie Nützlingen Zeit, einen neuen Lebensraum dauerhaft zu besiedeln.
Sind alle Insekten im Garten nützlich?
Nein. Viele Arten sind weder eindeutig nützlich noch schädlich, ihre Wirkung hängt von Anzahl, Pflanzenart und Jahreszeit ab. Blattläuse können einzelne Triebe schwächen, dienen aber zugleich Marienkäferlarven als Nahrung. Bestimmen Sie das Tier und beurteilen Sie den Schaden, bevor Sie eingreifen.
Was soll ich tun, wenn ich ein unbekanntes Insekt finde?
Fotografieren Sie das Tier von oben und seitlich, ohne es anzufassen. Notieren Sie Pflanze, Standort, Datum, Tageszeit und Verhalten. Vergleichen Sie mehrere Merkmale statt nur die Farbe. Bei einem einzelnen Tier besteht meist kein Handlungsbedarf; beobachten Sie die Population und mögliche Pflanzenschäden über mehrere Tage.
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